Gedanken zur Jahreslosung 2018 von Dekan Stefan Reimers: Offenbarung 21,6

Liebe Leserinnen und Leser,

"Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst". 
Es überrascht mich nicht, dass Gott uns etwas geben will: Denn Gott stellt sich immer wieder als der Gebende, Schenkende, Austeilende dar. Er ist der Schöpfer des Lebens. Er ist der Spender des Geistes. Der Vater, der den Sohn schickt. Er ist der Erlöser vom Bösen.
„Alles, was wir haben, alle guten Gaben, sind, o Gott, von Dir. Wir danken Dir dafür“ – so lautet eines der meist gesprochenen Gebete vor dem Essen. Danke, dass Du, Gott, der Gebende bist, und wir Menschen so viel empfangen dürfen. Das ist eigentlich nichts Neues, auch wenn es als Lebens-Haltung viel zu häufig verschwiegen wird oder hinter der vermeintlichen Selbstverständlichkeit, wir hätten uns das alles verdient, verschwindet. Eigentlich also gar nicht so schlecht, immer wieder zu beten: „Danke…“

Bei dieser Jahreslosung stolpere ich aber nicht so sehr über den gebenden Gott, als vielmehr darüber, dass er „umsonst“ geben will. Umsonst – steht das nicht eher für billig? Für etwas Wertloses oder bestenfalls noch für ein Werbegeschenk? Was bekomme ich denn schon umsonst? Da muss ein Haken dran sein, wenn einer gibt und nichts dafür verlangt!
Stimmt, da ist auch ein Haken dran, denn tatsächlich können wir gar nichts bezahlen für die Schöpfung, die einfach um uns ist und deren Teil wir sind. Wir können gar nichts bezahlen für den guten Geist der Freundlichkeit und Nächstenliebe, der in unseren Herzen wohnen will. Und wir haben kein Geld der Welt, um Jesus Christus zu uns einzuladen oder für die Vergebung unserer Sünden zu bezahlen. Das bekommen wir alles völlig ohne Gegenleistung – im Gegenteil: Leistung würde das alles unmöglich machen, denn genau um Leistung geht es nicht. Eigentlich gar nicht so schlecht, manchmal gar nichts leisten zu können und zu müssen – aber, ehrlich gesagt, auch richtig schwierig…

Es geht darum, sich beschenken zu lassen und diese Geschenke in Fülle zu genießen, offen im Herzen, weit in unseren Gedanken, herzlich und nah mit dem Nächsten. Das ist es, was die Geschenke Gottes, seine guten Gaben, brauchen: Unsere herzliche Offenheit, die sich nichts verdienen will, sondern fröhlich empfangend, dankbar und lebendig eins ums andere empfängt und sich beschenkt weiß durch den, der allen Durst löscht. Der gebende Gott braucht uns als Empfangende, Annehmende und Beschenkte, sonst würden die Quellen ins Leere sprudeln.

Aber, wie gesagt, das ist ganz schön schwer: Manchmal merken wir erst dann, wenn jemand fehlt, wie sehr wir Beschenkte waren durch seine Nähe oder ihre Liebe. Manchmal ärgern wir uns dann, dass wir die Zeit mit ihm oder ihr nicht intensiver genutzt haben oder das Gemeinsame nicht tiefer erleben konnten. Es ist schwer, im anderen Menschen ein Geschenk zu sehen, gerade wenn dieser andere Mensch mir gleichzeitig Aufgabe oder Herausforderung ist. Umso schöner kann aber jeder Moment sein, in dem wir uns einander schenken können, einfach so füreinander und miteinander sind. Umsonst.

Das Jahr 2018 einmal als Beschenkte zu leben, das ist deshalb wirklich eine spannende und viel versprechende Herausforderung. Ganz und gar „umsonst“, aber bestimmt voller neuer Erfahrungen glücklichen Beschenkt-Seins. Du und ich. Gott und wir.
Ich freue mich darauf, aus dieser Quelle trinken zu dürfen, immer wieder.

Ich wünsche Ihnen ein fröhlich sprudelndes und erfrischend klares Jahr 2018!
Ihr Stefan Reimers